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Der Mainstream des Arthouse-Films

Arthouse-Filmklischees

Viele verwechseln den Art Film mit dem Arthousefilm, doch es gibt da ein paar Unterschiede. Woher kommt er eigentlich, der Begriff „Arthouse“? Und was bedeutet er für die Zukunft des Kinos?

Arthouse stammt aus einer Zeit als die großen Hollywood-Studios das Kino dominierten. Kleine Programmkinos, so genannte Arthäuser, stellten ein anderes Programm auf — als Gegenentwurf zum damaligen Massengeschmack. Es bestand hauptsächlich aus:

  • Europäischem Kino
  • Independent-Filmen
  • Alten Filmklassikern

Manchmal waren auch Experimental- oder Kunstfilme dabei, aber doch eher selten. Das Wesen des Arthouse-Films ist es schlicht und ergreifend, anders zu sein als der Mainstream. Das musste keine weltbewegenden künstlerischen Experimente beinhalten. Die kleine Abweichung von der Norm war manchmal schon Rebellion genug.

Der Arthouse-Film war also schon immer ein Sammelbecken für ganz viele verschiedene Strömungen. Daraus hervor gingen zum Beispiel Filme mit einer nichtlinearen Erzählweise. Dazu zählen wir so bekannte Filme wie CITIZEN KANE, RASHOMON, ETERNAL SUNSHINE OF THE SPOTLESS MIND, ARRIVAL, DONNIE DARKO, L.A. CRASH oder MEMENTO.

Inzwischen ist Arthouse allerdings längst im Mainstream-Film angekommen. Das heißt es gibt jetzt einen Mainstream des Arthouse-Films, der aus dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Bewegung besteht. Dieser Mainstream-Arthouse arbeitet sich an einem vermeintlich realistischen Weltbild ab. Bei dieser Art Film kann man von einem Filmgenre sprechen. Im Wesentlichen dreht er sich um eine Hauptfigur, die an der Welt gescheitert ist. Vertreter sind zeitgenössische Filme wie IXCANUL, SHAME, LOUDER THAN BOMBS, TONI ERDMANN oder LEERGUT.

Genre und Subgenre

Der Mainstream-Arthouse oder Arthouse-Mainstream hat einige Subgenres, das bekannteste dürfte der Mumblecore sein. Hier sehen wir eine verspätete Coming-of-Age-Geschichte. Im Zentrum steht oft ein Mittdreißiger, der sich von seinen kindlichen Werten emanzipieren muss. Meistens ist es nur ein so genannter slice of life mit offenem Ende — das liegt unter anderem daran, dass diese Filme autobiografisch inspiriert sind durch das Leben ihrer Autoren-Regisseure, die hier einen Aspekt ihres Alltags auf die Leinwand gebannt haben.

Wunderbar parodiert wurde der Arthouse-Film bereits bei den Simpsons mit einem Kurzfilm von und über den Alkoholiker Barney Gumble.

Arthouse-Filmklischees

Wie in jedem Genre, gibt es auch im Arthouse-Film gängige Klischees, die es bei einer originellen Geschichte umzustoßen gilt. Hier sind vier, die besonders häufig auftauchen:

  1. Der Film beginnt mit einem Zitat, das zum Nachdenken anregen soll.
    Oft hat es mit der Handlung kaum etwas zu tun und ist einfach nur von einer bekannten Person.
  2. Die Hauptfigur starrt in die Leere, meistens aus dem Fenster.
    Oft raucht sie dabei und/oder trinkt Alkohol.
  3. Die Hauptfigur liegt auf der Seite, kann aber nicht schlafen und starrt in die Leere. Wahlweise mit schnarchenden Personen im Hintergrund (bei Komödien) oder alleine.
  4. Die Hauptfigur läuft durch eine vereinsamte Gegend und wir folgen minutenlang ihrem Hinterkopf.

Wichtiger Tipp für das Schreiben von Arthouse-Filmen: Wenn du in diesem Genre schreiben möchtest, liegen autobiografische Themen auf jeden Fall nahe. Im besten Fall hast du das entsprechende Problem in deinem Leben allerdings bereits überwunden – denn nur so, kannst dem Film auch ein überzeugendes Ende geben und eine runde Geschichte schreiben.


Wenn ihr mehr lesen möchtet, gibt es hier weitere Film-Themen:

  1. Der Mainstream