Ein Drehbuch schreiben

Ein Drehbuch schreiben

Jedem Film liegt ein Drehbuch zu Grunde. Egal ob Hollywood oder deutsches Fördersystem – im Folgenden zeige ich dir die wichtigsten Techniken, um aus deiner Idee ein gutes Filmskript zu schreiben.

Für Filmemacher ist das Drehbuch immer das erste Problem, denn ohne funktionierende Filmgeschichte, ohne Substanz, kann keines der anderen Gewerke seine Arbeit beginnen.

Vor dem Drehbuch

Drehbücher werden zum Verfilmen geschrieben, ähnlich wie Theaterstücke zur Aufführung auf einer Bühne. Sie verlangen uns daher viel Vorstellungsvermögen ab.

Wenn du noch unsicher bist, wie ein Drehbuch aussieht, empfehle ich dir auf jeden Fall, viele Drehbücher zu lesen. Im Netz gibt es mittlerweile sehr viele deutsche Drehbücher zum Download. Dadurch lernst du am Schnellsten, welche technischen Gestaltungsmöglichkeiten es gibt.

Drehbücher sind mehr Architektur als Literatur.
– ELIA KAZAN

Wenn du ein Drehbuch schreibst, lohnt es sich, eine Drehbuch-Outline anzulegen. Mit ihr hast du immer eine Richtschnur, an der du dich orientieren und deine Fortschritte dokumentieren kannst.

Faszinierende Filmfiguren erschaffen

Wenn du bereits eine Filmidee ausgewählt hast, geht es darum, sie zu einer vollwertigen Geschichte auszuarbeiten. Im Zentrum jeder Geschichte stehen die Figuren. Filmfiguren sind der Motor, die den Film später antreiben werden.

Egal ob man von character driven oder plot driven storytelling (figuren- oder handlungsgetriebenem Erzählen) ausgeht, die Charaktere sind immer das Wichtigste. Beim handlungsgetriebenen Erzählen versucht man sich von außen den Figuren anzunähern, beim figurengetriebenen von innen.

Eine Drehbuch-Figur ohne Gesicht

„Um eine Figur zu finden, suche etwas Körperliches, das verbunden ist mit ihrer inneren Haltung.“
– RUTH THOMA

Beide Herangehensweisen haben ihre Stärken und Schwächen. Fokussiert man sich zu sehr auf das Innenleben einer Figur, verliert die Geschichte an äußerer Spannung. Stellt man dagegen das Handeln der Figur in den Vordergrund, verliert die Geschichte an Tiefe. Man sollte möglichst versuchen, beide Herangehensweisen miteinander zu vereinen. Figur und Handlung sind letzten Endes zwei Seiten der gleichen Medaille und die Hauptfigur ist der Schlüssel zur Dramaturgie der Geschichte. Wenn du sie bereits hast, geht es unter anderem um den Auftritt einer Figur im Drehbuch.

Die Story im Drehbuch

Das wichtigste Element im Drehbuch ist das Ziel der Hauptfigur. In einer guten Filmgeschichte steckt ein klar erkennbares Ziel. Es gibt den roten Faden der Handlung vor und muss daher stark genug sein, um den Film über 90 oder 120 Minuten zu tragen. Dieses Ziel wird so stark wie möglich, wenn dein Protagonist es mit brennender Leidenschaft verfolgt. Wenn du weißt, was Filmgenres sind, kennst du bereits die bekanntesten Ziele. Vielleicht steckt in deiner Filmidee gar kein klar erkennbares Ziel. In diesem Fall wird es sehr schwierig, daraus eine spannende Filmhandlung zu entwickeln.

Die Brücke zwischen der Hauptfigur und der Filmhandlung ist die Figurenorchestrierung: Wie stehen die einzelnen Figuren zueinander, wer arbeitet für wen und wer wechselt die Seiten? Wer ist der Gegner, wer sind die Verbündeten?

„Finde zuerst heraus, was deine Hauptfigur will, dann folge ihr einfach.“
– RAY BRADBURY

Ein SMALLVILLE Comic-Strip zum Drehbuch-Plotten
Eigener SMALLVILLE COMIC-STRIP, ca. 2006

Ein Punkt, der viele Autoren umtreibt, ist die Logik der Handlung beziehungsweise die gefürchteten plot holes. Hierauf sollte man nicht zu viel Zeit verschwenden. Beim genaueren Hinsehen wird es immer Löcher in der Handlung geben. Solange die Motivation deiner Figuren klar ist (warum sie was wollen und warum gerade jetzt) und du dafür sorgst, dass die Handlung einer Kausalität folgt, bist du auf der sicheren Seite. Ausschlaggebend ist, im Zuschauer das Mitgefühl für die Figuren zu wecken und ihn so nicht mehr loszulassen.

„Wenn Sie Zufälle auf die Vorgeschichte beschränken, wird das Werk nicht beirren, sondern beeindrucken“
– ARISTOTELES

Dialoge schreiben

Gute Dialoge zu schreiben ist die hohe Kunst des Drehbuchschreibens. Das liegt daran, dass sie nie für sich allein stehen können. Filmdialoge sind immer nur die Spitze des Eisbergs. Wenn Figuren, Handlung und Thema des Films schon nicht funktionieren – wie sollte es dann der Dialog? Der Schlagabtausch zwischen den Figuren ist abhängig davon, dass alles andere vorher gut ausgearbeitet wurde.

„Nichts ist tiefer als die deutsche Sprache und nichts ist seichter als die deutsche Rede.“
– FALCO

Ein sehr schwacher Dialog versagt bereits auf der funktionalen Ebene, das heißt die Motive der Figuren bleiben unklar. In der Folge weiß der Zuschauer nicht, worauf die Filmemacher hinaus möchten. Ein mittelmäßiger Dialog mag zwar funktional sein, aber er lässt den Charakter der Sprechenden vermissen und wirkt dadurch sehr flach. Wenn du mehr zu Dialogen wissen willst, empfehle ich dir, dich am Meister des Filmdialogs Quentin Tarantino zu orientieren.

Drehbuch überarbeiten

Sobald deine erste Drehbuch-Fassung steht, geht es ans Überarbeiten. Dieser Schritt wird von den meisten Drehbuchautoren massiv unterschätzt, denn einen Text grundlegend zu überarbeiten bedeutet nicht, seine Sätze umzuformulieren – das ist nicht mehr als ein Kratzen an der Oberfläche. Stattdessen geht es darum, seine Struktur zu verbessern, damit er die größtmögliche Kraft entfalten kann. Am Besten funktioniert das anhand einer Szenenliste, die sich einfach umstellen lässt. Strukturelles Feedback eines Dramaturgen ist in diesem Arbeitsschritt sehr zu empfehlen. Erst wenn die Strukur des Drehbuchs und anschließend die der individuellen Szenen stimmt, sollest du dich deinen Formulierungen widmen – und den Dialogen natürlich ganz zum Schluss.

„Wenn bei der Überarbeitung die Lösung eines Problems gleichzeitig auch ein anderes löst, bist du auf dem richtigen Weg“
– DAVID TROTTIER

Ein Drehbuch-Autor beim Schreiben

Drehbuchautor werden

Drehbuch kann man studieren. Wer ein Drehbuch schreibt benötigt handwerkliche Fähigkeiten, aber es genügt nicht, nur das Handwerk zu beherrschen. Der Schriftsteller Mark Twain schreibt von einer guten, gut erzählten Geschichte. Gut zu erzählen ist also nicht alles, der Erzähler muss dem Publikum an erster Stelle eine gute Geschichte bieten. Diese guten Geschichten stecken in uns allen. Jeder Autor hat etwas erlebt, von dem er erzählen kann, unabhängig von seinem Alter. Das Erlebte muss gar nichts Großes sein. Auch die kleinen Erkenntnisse, die kleinen Enttäuschungen des Alltags, verpackt im Besonderen, können das Publikum erreichen.

„Wer nur etwas von Film versteht, versteht auch davon nichts.“
– FRANCOIS TRUFFAUT

Die Zuschauer sehnen sich nach MOVIES, nach bewegten Bildern, die sie bewegen. Gerade im Kino wollen wir mehr über uns erfahren, über die Conditio Humana. Wer sind wir Menschen und wer bin ich als Individuum in dieser Gesellschaft? Nur dann, wenn wir als Autor dem gemeinen Zuschauer irgendetwas voraus haben, können wir ihn überraschen. Und nichts wünschen wir uns sehnlicher als das, wenn wir einen Film schauen: überrascht zu werden. In diesem Sinne wünsche ich dir viel Erfolg dabei, Drehbücher zu schreiben und deine Filme wahr werden zu lassen.

„Folge deinem Glück“
– JOSEPH CAMPBELL

 

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